Forex traden – Schritt für Schritt erklärt

Eines ist klar: Es wird eine Währung gegen eine andere getauscht, zum Beispiel Euro (EUR) gegen US-Dollar (USD). Wie aber funktioniert das genau? Und wie können Trader bei Shortpositionen sprichwörtlich eine Währung „verkaufen“, ohne sie vorher besessen zu haben? Und wie kommt die Hebelwirkung zustande?

Diese und weitere Fragen lassen sich am besten an einem FX Trade in Zeitlupe erläutern.

FX Trade in Zeitlupe

Fiktives FX-Geschäft: Longposition im EUR/USD über 1,00 Standard-Lots zu 1,30

Wer ein solches Geschäft abschließen will, muss zunächst wissen, um was genau es sich handelt. In der Schreibweise EUR/USD ist der Euro (die erstgenannte Währung) die im Jargon so bezeichnete Basiswährung. Auf diese bezieht sich die Mengenangabe 1,00 Standard-Lots: Ein Standard-Lot entspricht 100.000 Einheiten der Basiswährung. „Longposition“ bedeutet, dass die Basiswährung (gegen die andere Währung, hier USD) gekauft wird.

Ein solches Geschäft läuft immer nach dem folgenden Muster ab:

  1. Der Trader nimmt bei seinem Broker einen Kredit über 130.000 USD auf (Kurs: 1,30 USD pro 1,00 Euro)
  2. Der gesamte Kreditbetrag wird zum aktuellen Wechselkurs in EUR umgetauscht
  3. Danach existieren zwei Konten: Ein Guthabenkonto mit 100.000 EUR und ein Kreditkonto mit 130.000 USD Schulden
  4. Für die Durchführung des Geschäfts hinterlegt der Trader bei seinem Broker eine Sicherheitsleistung (Margin) in Höhe von 1.000 EUR bzw. 1.300 USD (Marginsatz 1,00%)
  5. Annahme: Die Rechnung des Trades geht auf und der Wechselkurs steigt von 1,30 auf 1,33
  6. Die 100.000 EUR auf dem Guthabenkonto sind dann 133.000 USD wert. Wird das Geld auf dem Guthabenkonto in USD getauscht, hält der Trader ein Konto mit 133.000 USD Guthaben und eines mit 130.000 USD Schulden.
  7. Werden beide Konten gegeneinander aufgerechnet ,ergibt sich ein Gewinn in Höhe von 3000 USD bzw. 2256 EUR.
  8. Gemessen am Einsatz (1.000 EUR) entspricht das einem Profit von mehr als 225 Prozent in nur einem Trade, obwohl der Wechselkurs sich um lediglich rund 2,30 Prozent verändert hat.

Nach diesem Schema laufen alle Geschäfte am FX-Markt ab. Entscheidend ist: Eine Währung zu kaufen bedeutet, einen Kredit in einer anderen Währung aufzunehmen und anschließend in die Kauf-Währung umzutauschen. Dementsprechend ist es auch möglich, eine Währung zu verkaufen, die nicht im eigenen Besitz ist: Dazu wird in der zu verkaufenden Währung ein Kredit aufgenommen und in eine andere Währung investiert.

„Verkaufen“ ist somit nicht ganz überraschend das Gegenteil von „Kaufen“.

Hebelwirkung durch Margin-Prinzip

An den im Fallbeispiel eingesetzten Zahlenwerten wird deutlich, dass die möglichen Gewinne für Trader auf den ersten Blick in einem gewaltigen Missverhältnis zur eigentlichen Kursbewegung stehen. Das ist durch die Hebelwirkung zu erklären. Der „Finanzhebel“ ist im übertragenen Sinne durchaus vergleichbar mit einem mechanischen Hebel: Er resultiert daraus, dass nur ein Bruchteil des bewegten Kapitals tatsächlich eingesetzt wird.

Strenggenommen setzt der Trader zunächst gar kein Geld ein. Er hinterlegt lediglich eine Kaution bei seinem Broker, der das Geschäft für den Trader durchführt und mit ihm abrechnet. Die Kaution deckt Verluste die anfallen, wenn sich der Markt nicht in die erhoffte Richtung bewegt. Die Sicherheitsleistung wird im Jargon auch als „Margin“ bezeichnet.

Warum reichen dem Forex Broker 1% Margin?

Die im Fallbeispiel verwendete Größenordnung für die Marginanforderungen (1% des am Markt bewegten Kapitals) ist durchaus realistisch. Einige Broker verlangen sogar nur 0,50% des Einsatzes. Je geringer der Prozentsatz, desto größer ist der Finanzhebel. Bei einem Marginsatz von 1% können Trader das 100fache ihrer „Kaution“ bewegen, bei 0,50% das 200fache.

Es ist eine berechtigte Frage: Warum gibt sich der Broker mit einer so geringen Sicherheitsleistung zufrieden?

Schließlich würde eine gegen den Trader verlaufende Marktbewegung von 1% bei einem Marginsatz in selbiger Höhe bereits zur vollständigen Aufzehrung der Sicherheitsleistung führen. Dann müsste der Broker bei größeren Verlusten hoffen, dass sein Kunde zusätzliches Geld einzahlt.

Die Antwort ist einfach: Der Broker sitzt im wahrsten Sinne des Wortes am längeren Hebel. Er kann das offene Geschäft jederzeit schließen. In den Geschäftsbedingungen wird meistens ganz genau definiert, wann es zu Schließungen durch den Broker kommt. Üblich ist ein solcher „Closeout-Level“ bei 40% der anfänglich zu hinterlegenden Margin.

Initial Margin und Maintenance Margin

In diesem Zusammenhang sollen zwei Begrifflichkeiten zur Sicherheitsleistung – der Margin – erläutert werden. Die zur Eröffnung einer Position erforderliche Kaution wird im Jargon als „Initial Margin“ bezeichnet. Der Prozentsatz der Initial Margin, ab dem der Broker bei Verlusten Positionen schließt wird als „Maintenance Margin“ bezeichnet.

Während die Initial Margin häufig explizit (mit dem Vorteil einer großen Hebelwirkung) beworben wird, findet sich die Maintenance Margin zumeist nur im Kleingedruckten der Geschäftsbedingungen. Das liegt sicher auch daran, dass potenzielle Kunden nicht mit dem Gedanken an mögliche Verluste abgeschreckt werden sollen.

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