Was versteht man unter Hedging?

Der Begriff „Hedging“ bezeichnet ganz allgemein Absicherungsgeschäfte. Ein Landwirt kann im März den Ertrag der Weizenernte des kommenden Sommers absichern, indem er die erwartete Menge Weizen bereits lange vor der Ernte am Terminmarkt verkauft. Das Termingeschäft verpflichtet den Landwirt, im Sommer X Tonnen Weizen zu liefern. Gleichzeitig ist die Gegenpartei verpflichtet, die Menge abzunehmen und den vereinbarten Preis zu bezahlen.

Im Zusammenhang mit Währungen spielt Hedging in der Wirtschaft eine große Rolle. Hat ein deutsches Unternehmen im Januar einen Vertrag über die Lieferung von 5.000 Fahrzeugen im November mit einem Käufer in den USA abgeschlossen, besteht für eine von beiden Parteien ein Wechselkursrisiko. Für welche, hängt von den Details des Vertrages ab.

Hedging ist in der realen Wirtschaft Alltag

Wird die Zahlung des Kaufpreises in US-Dollar am Tag der Lieferung vereinbart, trägt das deutsche Unternehmen dieses Risiko. Das Unternehmen kann im Januar nicht wissen, wie der EUR/USD-Wechselkurs sich bis zum Dezember entwickelt und weiß deshalb nicht, wie viel der erzielte Kaufpreis in eigener Währung wert ist. Deshalb sichert das Unternehmen am Tag der Unterschrift unter den Vertrag den Kaufpreis ab. Dazu wird mit einer Bank eine verbindliche Vereinbarung über den Umtausch des Kaufpreises von USD in EUR im Dezember zum Wechselkurs X,XXXX getroffen.

Hedging im Devisenhandel

Im Devisenhandel meint Hedging die vorübergehende Absicherung einer Position durch die Eröffnung einer Gegenposition. Ein Beispiel: Ein Trader hält eine Longposition im EUR/USD über 10 Standard-Lots und geht von einer längerfristigen Aufwertung des EUR aus. Kurzzeitig fürchtet er aber aufgrund anstehender Konjunkturdaten aus den USA eine Aufwertung des USD. Er eröffnet deshalb eine Shortposition im EUR/USD über 10 Standard-Lots.

Die beiden Positionen verhalten sich vollständig spiegelbildlich: Kursgewinne in der Longposition sind gleichbedeutend mit Kursverlusten in der Shortposition. Unabhängig davon welche Richtung der Markt einschlägt ändert sich am Gewinn und Verlust deshalb nichts – jedenfalls nicht durch Kursbewegungen. In der Praxis zieht ein solches Hedgegeschäft Kosten nach sich. Erstens fällt bei der Einbuchung der Position der Spread an. Zweitens sind die Finanzierungskosten der Longposition höher als die Finanzierungsgutschriften der Shortposition.

Hedging ist nicht bei jedem Broker möglich

Nicht jeder Broker bzw. jede Handelssoftware ermöglicht Hedging: Häufig werden gegenläufige Positionen automatisch miteinander verrechnet und damit „glattgestellt“.

Während die Handelsplattform MetaTrader4 Hedging zulässt, besteht die Möglichkeit dazu bei der Nachfolgeversion MT-5 nicht mehr.

Hedging ist vor allem bei Tradern beliebt, die auf verschiedenen Zeithorizonten handeln. So ist es möglich, dass der EUR/USD auf Wochensicht long gehandelt wird, gleichzeitig aber für einige Stunden eine Shortposition gehalten wird, weil eine Korrektur gehandelt werden soll.

Das ist nicht möglich, wenn die Plattform gegenläufige Orders automatisch verrechnet. Gegenläufige Positionen sind auch dann nicht möglich, wenn eine Verrechnung nicht die ganze Position glattstellt: Besteht eine Longposition über zehn Lots und wird eine Shortposition über neun Lots eröffnet saldiert die Plattform beide Positionen zu einer Longposition von einem Lot.

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